,Lieber Landstraße’-Fahrten in Italien:

Cespedosio

von Margherita Ragg - 18 Mai 2017

Willkommen zur zweiten Etappe unseres Bergamo Feinschmecker Roadtrips in der Provinz Bergamo in Zusammenarbeit mit Hertz! Bis jetzt haben wir unseren grandiosen Fiat 500 von Mailand aus auf die Höhen des Brembana Tals gefahren und unterwegs lecker gegessen. Wir haben Ihnen bereits alles über den Muskatellerwein ,Moscato die Scanzo‘, einen einzigartigen ‚Meditationswein‘ erzählt und heute nehmen wir Sie zum Mittagessen mit auf eine Berghütte, leicht zu erreichen mit unserem schnittigen kleinen Fiat!

Als lebenslanger Wanderfreund habe ich bereits viele Bergdörfer in den italienischen Alpen erwandert. Einige sind verlassen, mit Häusern und Gebäuden, die langsam von den Elementen zurückerobert werden. Viele führen ein Leben zwischen den Welten, mit nur einer Handvoll Einwohner, aber vielen Ferienhäuser, die meist im Besitz von ehemaligen Einwohnern sind. Während wir unseren Fiat 500 die SS470 entlang des Brembana Tals fahren, haben wir mehrere dieser Dörfer gesehen, die sich zwischen Berghängen und Himmel an die Felsen klammern.

Cespedosio ist eines davon. Die Abzweigung von der SS470 ist schwer zu finden und auch nicht gekennzeichnet, so als ob die Einheimischen ein Geheimnis behüten möchten. Nach der Abzweigung beginnt eine 6 km lange Spitzkehre, dann eine schmale Straße voller Schlaglöcher entlang der Bergseite, an einem Marmorsteinbruch vorbei, durch einen Wald und schließlich erreichen wir das Dorf - eine Ansammlung von Häusern, die Hälfte davon unbewohnt, um eine Kirche gebaut und umgeben von Bergen, soweit das Auge reicht.

Unser Ziel für den Tag ist die Schutzhütte Cespedosio. Das italienische Wort ,rifugio‘ bezieht sich auf Berghütten, ein Ort wo Menschen, die die Bergwelt entdecken Nahrung und Unterschlupf für die Nacht finden können. Die meisten von Ihnen sind nur zu Fuß erreichbar während die Schutzhütte Cespedosio mit dem Auto zu erreichen ist – ich finde es perfekt ein kleines Auto wie den Fiat 500 zu fahren war perfekt, um die kurvenreichen Bergstraße zu erobern.

,Willkommen in Cespe!’ Piero, der Hüttenwirt ‚rifugista‘, begrüßt uns bei unserer Ankunft herzlich. Ich habe schon eine Reihe von Schutzhütten besucht und habe gelernt, das den Rifugista zu treffen meistens die Hälfte des Spaßes ist. Im Allgemeinen sind die Hüttenwirte entweder Einheimische oder Bergliebhaber, die auf der Suche nach einem besseren Leben in die Berge ausgewandert sind.

Piero gehört zu beiden Kategorien – seine Familie stammte ursprünglich aus Cespedosio, ist aber weggezogen. Fünfzig Jahre später ist Piero zurückgekehrt, um seinen Traum ein Hüttenwirt zu sein und in den Bergen zu leben, zu verwirklichen. Und zwar in den gleichen Bergen, in denen sein Vater geboren wurde und er als Kind seine Ferien verbracht hat.

,Ich habe meine Heimat im Tal verlassen, um in den Bergen zu leben – meine zweite Heimat.‘

Lauter Einheimische waren in der Berghütte. Neben uns saß eine Gruppe von Einheimischen, die den roten Hauswein in weiße Keramikschüsseln eingoss, von denen ich fälschlicherweise angenommen hatte, sie seien für Suppe.

Wein aus Keramikschüsseln zu trinken, ist eine sehr alte Tradition in den Bergen, typisch für die Lombardei – auf meine Nachfrage schien jedoch niemand so wirklich zu wissen, woher die Tradition stammte.

Unser Mittagessen begann mit einer Platte mit gepökeltem Fleisch und Käse. ,Das hab ich selber gemacht und das hier auch‘, sagte Piero und zeigte auf hauchdünne Scheiben Pancetta und eine grobe Salami mit Pfefferkörner. Jede einzelne Scheibe war absolut lecker.

In der ,Rifugio Cespedosio’ gibt es keine Speisekarte – jeden Tag kocht Piero was verfügbar ist und in der Regel gibt es drei Pasta Gerichte und drei oder vier Hauptgerichte zur Auswahl. ‚Sie müssen meine berühmten Casoncelli probieren’ meinte er und reichte uns zwei Platten mit Ravioli, die wie eingewickelte Bonbons aussahen. Garniert mit knusprigen Salbei und mit Butter gebräunt. ,Das ist alles von Hand gemacht, meine Mutter, mein Vater, meine Frau, meine Tochter… jeder hilft.‘ Ich bin ein großer Fan von Casoncelli und ich habe sie schon mehrmals probiert – ich kann Ihnen sagen, dass die, die Piero uns serviert hat, mit Abstand die besten waren – der kräftige Geschmack der Salami-Füllung wurde durch die Süße der braunen Butter leicht abgeschwächt. Ich habe die Platte in zwei Minuten leergeputzt.

Piero servierte uns seine zweites Pasta Gericht, hausgemachte Maccheroni in Salami – mit einer Sauce, die in der Regel aus Wild und Rotwein besteht, aber wir hatten eine Version mit Rind. Als ich Piero erzählte, wie köstlich es war, antwortete er ganz stolz ,Aber natürlich! Das ist meine Fiorella!‘ Piero hat immer zwei Kühe zur gleichen Zeit, das ist genug Fleisch für die ganze Familie und die Gäste in der Rifugio Cespedosio.

Als wir zu unserem treuen Fiat zurückkehrten, konnte ich Gebete aus der kleinen Kirchentür gleich nebenan kommen hören. Zwei Kinder transportierten Heuballen den Berg hinauf, während ein Esel und eine Ziege auf einer Koppel weideten. Ich fragte Piero ob die Kinder die ganze Zeit in ,Cespe‘ lebten. ,Nein‘, antwortete er. ,Aber Sie lieben es hier. Vielleicht treten Sie eines Tages in meine Fußstapfen und kehren auch hierher zurück.‘

Und dies war meine geplante Reiseroute:


Stop one: Milan Linate - Hertz Milan Linate

Stop two: Scanzorosciate - Pagnoncelli Folcieri winery

Stop three: Cespedosio - Rifugio Cespedosio

Stop four: Valtorta - Latteria Sociale

Stop five: San Pellegrino - Priula Birreria & Pasticceria Bigio

Stop six: Bergamo - Castel Cerreto


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